5. Wie Zahnärzte Zahnschmerzen behandeln
Um Zahnschmerzen effektiv zu behandeln, steht eine gründliche Ursachenforschung an erster Stelle. Erst danach beginnt die gezielte Therapie.
Diagnostische Methoden
Zahnärzte starten mit einem Anamnesegespräch, um Schmerzart und Auslöser zu verstehen. Diese Informationen helfen, mögliche Ursachen einzugrenzen.
Darauf folgt eine visuelle Untersuchung der Mundhöhle. Hierbei werden Zähne, Zahnfleisch und Zahnersatz auf Schäden wie Karies, Risse, lockere Kronen oder Zahnfleischrückgang geprüft. Für tieferliegende Probleme, die nicht sichtbar sind, kommen digitale Röntgenaufnahmen zum Einsatz. Diese zeigen beispielsweise Entzündungen an der Wurzelspitze, Karies unter Füllungen oder Kieferprobleme.
Ein Vitalitätstest überprüft, ob der Zahnnerv gesund ist, während der Perkussionstest durch Abklopfen des Zahns Entzündungen der Wurzelhaut aufdecken kann. Eine Bissanalyse hilft, Fehlstellungen oder Zähneknirschen als Schmerzursache zu identifizieren. Bei Verdacht auf Parodontitis wird ein Screening durchgeführt, das die gesetzliche Krankenkasse alle zwei Jahre abdeckt.
Auf Basis dieser Untersuchungen wird die passende Behandlung festgelegt.
Behandlungsmöglichkeiten nach Ursache
Die Therapie richtet sich nach der genauen Diagnose:
- Karies: Der Zahnarzt entfernt das erkrankte Gewebe und füllt den Zahn. Für Frontzähne werden zahnfarbene Komposite verwendet, für Backenzähne Glasionomerzemente oder Bulk-Fill-Komposite. Ab 2025 ist Amalgam für neue Füllungen in der EU verboten.
- Pulpitis: Hat die Karies den Zahnnerv erreicht, ist eine Wurzelkanalbehandlung nötig. Dabei wird der entzündete Nerv entfernt und die Kanäle gereinigt.
- Parodontitis: Eine professionelle Tiefenreinigung beseitigt Bakterien und Zahnstein unter dem Zahnfleischrand.
- Abszesse: Diese werden chirurgisch drainiert, oft begleitet von einer Antibiotikatherapie (z. B. Amoxicillin).
- Zahnextraktionen: Stark beschädigte oder nicht mehr rettbare Zähne, etwa durch Unfälle oder Weisheitszahnprobleme, werden chirurgisch entfernt.
- Empfindliche Zahnhälse: Desensibilisierende Gels oder eine angepasste Putztechnik können helfen. Bei nächtlichem Zähneknirschen wird eine individuell angefertigte Aufbissschiene verschrieben.
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt medizinisch notwendige Behandlungen wie Füllungen, Wurzelbehandlungen oder Parodontitis-Therapien. Zusatzleistungen wie Keramikkronen oder Implantate müssen meist privat finanziert werden, wobei ein Zahnzusatzversicherung-Vergleich oft hilfreich ist.
Nach der Behandlung beginnt die wichtige Phase der Heilung und Nachsorge.
Nach der Behandlung: Heilung und Nachsorge
Leichte Schmerzen nach Eingriffen wie Füllungen, Wurzelbehandlungen oder Zahnreinigungen sind normal und klingen meist nach ein paar Tagen ab. Nach einer Zahnextraktion bildet sich ein schützender Blutpfropf, der in den ersten 24 Stunden nicht durch Spülen, Spucken oder die Verwendung eines Strohhalms gestört werden sollte.
Schwellungen treten oft in den ersten drei Tagen auf. Regelmäßiges Kühlen – 10 Minuten kühlen, 10 Minuten Pause – hilft, diese zu reduzieren. Schlafen Sie mit erhöhtem Kopf, um Druck auf die Wunde zu vermeiden. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol lindern Beschwerden, während Aspirin wegen der Blutverdünnung vermieden werden sollte.
Essen Sie in den ersten Tagen weiche, kühle Speisen wie Suppen oder Kartoffelpüree. Vermeiden Sie scharfe, heiße oder krümelige Lebensmittel sowie Milchprodukte direkt nach dem Eingriff, da sie das Infektionsrisiko erhöhen können. Auf Rauchen und Alkohol sollte mindestens 72 Stunden verzichtet werden.
Traditionelle Fäden werden nach 7 bis 10 Tagen entfernt, während selbstauflösende Nähte innerhalb von 2 bis 3 Wochen verschwinden. Die Schleimhaut heilt meist innerhalb von 7 bis 14 Tagen, die vollständige Knochenheilung kann jedoch bis zu sechs Monate dauern.
Achten Sie auf Warnsignale: Starke Schmerzen ab dem dritten Tag, Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack könnten auf eine „trockene Alveole" (Alveolitis) hinweisen. Auch Fieber, Eiter oder starke Rötungen sollten Sie umgehend mit Ihrem Zahnarzt abklären.