2. Hauptursachen für Zahnfleischbluten
Gingivitis vs. Parodontitis: Unterschiede, Symptome und Behandlung im Vergleich
Zahnfleischbluten entsteht durch eine Kombination aus schlechter Mundhygiene, gesundheitlichen Faktoren und Lebensgewohnheiten. Schauen wir uns die Hauptursachen genauer an.
Unzureichende Mundhygiene
Die häufigste Ursache für Zahnfleischbluten ist Zahnbelag, der sich täglich bildet. Bakterien in diesem Belag setzen Toxine frei, die das Zahnfleisch reizen und Entzündungen hervorrufen. Bleibt der Belag unentfernt, verhärtet er zu Zahnstein, der nur durch eine professionelle Zahnreinigung entfernt werden kann.
Ein Tipp: Wenn Ihre Zahnbürste nach dem Putzen rötliche Borsten zeigt, deutet das auf eine Entzündung hin. Gesundes Zahnfleisch ist fest und hellrosa, während entzündetes Zahnfleisch dunkelrot bis violett aussieht und oft weich ist.
Gingivitis vs. Parodontitis
Eine Gingivitis ist eine oberflächliche Zahnfleischentzündung, die vollständig heilbar ist, wenn rechtzeitig gehandelt wird. Mit gründlicher Mundhygiene und einer professionellen Zahnreinigung heilt sie oft innerhalb weniger Wochen ab. In Deutschland leiden etwa 95 % der Menschen an lokaler Gingivitis, und über die Hälfte der Erwachsenen hat eine Form von Zahnfleischentzündung.
Wird eine Gingivitis jedoch nicht behandelt, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln. Dabei dringen Bakterien tiefer unter den Zahnfleischrand, verursachen Zahnfleischtaschen und schädigen das Bindegewebe sowie den Kieferknochen. Etwa 12 % der deutschen Bevölkerung sind davon betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium können sich Zähne lockern oder ausfallen – Parodontitis ist die häufigste Ursache für Zahnverlust bei Erwachsenen.
Neben der Mundhygiene spielen auch Medikamente und gesundheitliche Faktoren eine Rolle, die wir im nächsten Abschnitt betrachten.
Medikamente und Gesundheitszustände
Einige Medikamente können Zahnfleischbluten begünstigen. Blutverdünner wie Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin) erhöhen die Blutungsneigung. Blutdrucksenker und Antiepileptika können Zahnfleischwucherungen verursachen, die die Reinigung erschweren. Immunsuppressiva schwächen die Abwehrkräfte gegen Bakterien, während Antihistaminika und bestimmte Antibiotika Mundtrockenheit fördern – weniger Speichel stört die Mundflora und begünstigt Entzündungen.
Auch systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für Zahnfleischprobleme, da sie die Wundheilung verschlechtern und Infektionen fördern. Hormonelle Veränderungen – etwa während der Schwangerschaft, Pubertät oder durch Verhütungsmittel – lockern das Zahnfleischgewebe. Tatsächlich entwickeln 60 bis 70 % der Schwangeren eine sogenannte „Schwangerschaftsgingivitis". Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch HIV/AIDS, Leukämie oder Tumorerkrankungen, sind ebenfalls anfälliger für Zahnfleischerkrankungen.
Zum Schluss werfen wir einen Blick auf den Einfluss von Lebensstil und Ernährung.
Lebensstil und Ernährung
Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor für Zahnfleischprobleme. Nikotin verengt die Blutgefäße, wodurch Zahnfleischbluten oft ausbleibt – selbst bei schweren Entzündungen. Das kann zu einer späten Diagnose führen. Raucher haben ein doppelt so hohes Risiko für Gingivitis wie Nichtraucher, und der Gewebeabbau schreitet bei ihnen schneller voran.
Auch Nährstoffmängel spielen eine Rolle. Ein Mangel an Vitamin C (Skorbut), Vitamin B, Kalzium oder Protein schwächt das Zahnfleisch und verlangsamt die Regeneration. Chronischer Stress verschärft das Problem zusätzlich, da er das Immunsystem unterdrückt und Entzündungen im Körper fördert – einschließlich des Zahnfleisches.