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Parodontitis: Ursachen, Therapie, Folgen, Kosten Volkskrankheit mit Folgen

95% der Erwachsenen sind betroffen: Früherkennung durch PSI-Screening verhindert Zahnverlust und teure Folgebehandlungen

Das Wichtigste in Kürze

  • check Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, die unbehandelt zu Zahnverlust führt.
  • check Die Erkrankung verläuft oft schmerzfrei und wird erst spät bemerkt – der PSI-Test alle 2 Jahre ist entscheidend.
  • check Die GKV übernimmt systematische Parodontitis-Behandlung und 2 Jahre Nachsorge bei Taschentiefen ab 4 mm.
  • check Unbehandelt steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes-Komplikationen erheblich.
  • check 92% der Langzeitkosten entstehen in der Nachsorgephase – regelmäßige UPT-Termine verhindern Rückfälle.
Parodontitis: Ursachen, Therapie, Folgen, Kosten
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Inhaltsverzeichnis

1. 95% sind betroffen – was Parodontitis bedeutet

Parodontitis ist eine ernsthafte Erkrankung des Zahnhalteapparats, die mit einer bakteriellen Entzündung des Zahnfleischs beginnt. Ohne Behandlung führt sie zu Knochenabbau und Zahnverlust. In Deutschland sind etwa 95 % der Erwachsenen in irgendeiner Form betroffen.

Wichtige Fakten zur Parodontitis:

  • Symptome: Zahnfleischbluten, Rückgang, Mundgeruch, lockere Zähne.
  • Ursachen: Bakterielle Plaque, verstärkt durch Rauchen, Diabetes, Stress.
  • Diagnose: PSI-Test (Parodontaler Screening Index), der alle 2 Jahre von der GKV übernommen wird.
  • Behandlung: Subgingivale Instrumentierung (früher: Kürettage), Antibiotika und bei schweren Fällen chirurgische Eingriffe.
  • Nachsorge (UPT): Regelmäßige Kontrollen alle 3–12 Monate für 2 Jahre nach der Therapie.
  • Kosten: Systematische Therapie und Nachsorge werden von der GKV übernommen; Eigenleistungen wie PZR oder adjuvante Therapien können zusätzlich anfallen.

Ohne Behandlung steigen die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes-Komplikationen erheblich. Präventive Maßnahmen und regelmäßige Zahnarztbesuche sind entscheidend, um Parodontitis frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.

2. Symptome der Parodontitis

Warnsignale erkennen

Parodontitis entwickelt sich oft schleichend und ohne Schmerzen. Zu den frühen Warnzeichen gehören Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, leichte Rötungen und Schwellungen sowie gelegentlicher Mundgeruch.

Mit fortschreitender Erkrankung werden die Symptome deutlicher. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Anzeichen je nach Stadium verändern.

Stadium Typische Symptome
Frühstadium (Gingivitis) Zahnfleischbluten, leichte Rötung und Schwellung
Mittleres Stadium Zahnfleischrückgang (Zähne erscheinen länger), empfindliche Zahnhälse
Fortgeschritten Lockere Zähne, Zahnwanderung, eitriger Ausfluss aus den Taschen

Das Tückische: Rund 80 % der Parodontitisfälle verlaufen schmerzfrei. Deshalb ist es wichtig, auf die weniger offensichtlichen Symptome zu achten. Dazu gehören dauerhafter Mundgeruch (Halitosis), ein fauliger Geschmack im Mund und Veränderungen in der Zahnstellung oder beim Biss.

Wenn sich Zähne lockern oder bereits Eiter aus dem Zahnfleisch tritt, ist die Erkrankung weit fortgeschritten. Das Verständnis der Ursachen kann helfen, Parodontitis frühzeitig zu erkennen.

3. Ursachen der Parodontitis

Die Warnsignale zeigen, was sichtbar passiert – doch die Ursachen liegen tiefer. Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung, die durch das Zusammenspiel von Bakterien, Immunreaktionen und individuellen Risikofaktoren entsteht.

Bakterielle Plaque und Biofilm

Plaque – der dünne, klebrige Film aus Bakterien – bildet sich täglich auf den Zähnen. Wird dieser Belag nicht regelmäßig entfernt, verwandelt er sich in einen Biofilm und verhärtet schließlich zu Zahnstein, der unterhalb des Zahnfleischrands kaum zugänglich ist. Die dort angesiedelten Bakterien produzieren schädliche Stoffwechselprodukte, die das Zahnfleisch reizen und eine Entzündung auslösen.

„Ohne Bakterien keine Parodontitis." – KZBV (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung)

Das Problem: Diese Entzündung zieht das Immunsystem auf den Plan, das versucht, die Infektion zu bekämpfen. Doch dabei werden nicht nur die Bakterien angegriffen, sondern auch gesundes Gewebe und Knochen geschädigt – ein Prozess, der ohne Behandlung fortschreitet.

Risikofaktoren, die Parodontitis begünstigen

Die Bakterien sind nur ein Teil der Geschichte. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, an Parodontitis zu erkranken:

  • Rauchen: Starke Raucher (>10 Zigaretten/Tag) haben ein bis zu 15-fach erhöhtes Risiko.
  • Diabetes: Unkontrollierter Diabetes verdreifacht das Risiko und verschlechtert die Heilung.
  • Genetische Veranlagung: 30 % der Anfälligkeit für Parodontitis ist genetisch bedingt.
  • Stress: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem und fördert Entzündungen.
  • Unzureichende Mundhygiene: Ohne tägliches Zähneputzen und Interdentalreinigung bleibt Plaque unkontrolliert.
  • Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaft oder Menopause können die Anfälligkeit erhöhen.

Früherkennung ist entscheidend. Doch wie wird Parodontitis eigentlich diagnostiziert? Im nächsten Abschnitt wird der Diagnoseprozess erklärt.

4. Diagnose und Untersuchung

Eine frühzeitige Diagnose ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung. Die zahnärztliche Untersuchung umfasst mehrere Schritte, um den Schweregrad der Erkrankung genau zu bestimmen.

PSI-Test: Der Parodontale Screening Index

Der PSI-Test ist ein einfaches und schnelles Screening-Verfahren, das alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. Dabei misst der Zahnarzt mit einer speziellen Sonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen und beurteilt Blutung, Zahnstein und Zahnfleischzustand.

PSI-Code Bedeutung Empfohlene Maßnahme
0 Gesundes Zahnfleisch Keine Behandlung notwendig
1–2 Gingivitis (leichte Entzündung) Verbesserte Mundhygiene, PZR
3 Mittelschwere Parodontitis Systematische Parodontitis-Therapie
4 Schwere Parodontitis Umfassende Therapie + ggf. chirurgische Eingriffe

Parodontalstatus: Die vollständige Untersuchung

Bei einem PSI-Code von 3 oder 4 wird ein vollständiger Parodontalstatus erhoben. Dabei werden an sechs Stellen pro Zahn die Taschentiefen gemessen – insgesamt bis zu 180 Messpunkte im gesamten Gebiss. Zusätzlich werden Blutungen, Zahnbeweglichkeit und Furkationsbefunde (Befall der Wurzelgabelungen) dokumentiert.

Röntgenaufnahmen, meist als Panoramaübersicht (OPG), zeigen den Knochenabbau und helfen bei der Planung der Therapie. Diese Befunde werden in einem Parodontalbefund-Formular festgehalten, das auch für den Antrag bei der Krankenkasse erforderlich ist.

5. Behandlung der Parodontitis

Die Parodontitis-Behandlung folgt einem strukturierten Ablauf, der von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) festgelegt ist. Das Ziel: Die Entzündung stoppen und weiteren Knochenabbau verhindern.

Phase 1: Vorbehandlung (AIT)

Die antiinfektiöse Vorbehandlung (AIT) bereitet die eigentliche Therapie vor. Sie umfasst mindestens zwei Sitzungen mit Mundhygieneinstruktion, Motivation und Entfernung von supragingivaler Plaque und Zahnstein.

Wichtig: Nur wer aktiv an seiner Mundhygiene arbeitet, kann langfristig von der Therapie profitieren.

Phase 2: Subgingivale Instrumentierung

Der Kern der Behandlung ist die subgingivale Instrumentierung – früher auch als „geschlossene Kürettage" bekannt. Dabei werden mit speziellen Handinstrumenten oder Ultraschallgeräten bakterielle Beläge und Konkremente (verhärtete Ablagerungen) unterhalb des Zahnfleischrands entfernt.

Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und dauert je nach Umfang 45–90 Minuten pro Sitzung. In der Regel sind zwei Sitzungen erforderlich, um alle Quadranten zu behandeln.

Phase 3: Chirurgische Therapie (falls erforderlich)

Bei tiefen Taschen (> 6 mm) oder wenn die subgingivale Instrumentierung nicht ausreicht, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. Bei der sogenannten „Lappenoperation" wird das Zahnfleisch aufgeklappt, um die Wurzeloberflächen unter direkter Sicht zu reinigen.

In bestimmten Fällen können regenerative Verfahren wie Knochenaufbau oder Schmelzmatrixproteine eingesetzt werden, um verlorenen Knochen teilweise wiederherzustellen.

Adjuvante Therapien

Ergänzend zur mechanischen Reinigung können weitere Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Antibiotika: Systemisch oder lokal, bei aggressiven Formen oder Resttaschen.
  • Photodynamische Therapie (PDT): Lichtaktivierte Desinfektion der Taschen.
  • Laser-Therapie: Zur Keimreduktion in tiefen Taschen.

Diese adjuvanten Verfahren sind meist keine Kassenleistung und müssen privat bezahlt werden.

6. Nachsorge: Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT)

Nach der aktiven Therapie beginnt die entscheidende Phase: die unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT). Ohne regelmäßige Nachsorge kehrt die Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück.

Ablauf der UPT

Die UPT umfasst regelmäßige Kontrolltermine, bei denen Taschentiefen gemessen, Entzündungszeichen überprüft und bei Bedarf erneut subgingival instrumentiert wird. Die Abstände richten sich nach dem individuellen Erkrankungsgrad:

  • Grad A (geringes Risiko): Alle 6–12 Monate
  • Grad B (mittleres Risiko): Alle 3–6 Monate
  • Grad C (hohes Risiko): Alle 3 Monate

Kassenleistung seit 2021

Seit Juli 2021 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die UPT für zwei Jahre nach Abschluss der aktiven Therapie. Das ist ein wichtiger Schritt, da etwa 92 % der Langzeitkosten in der Nachsorgephase entstehen.

Nach Ablauf der zwei Jahre müssen Patienten die Kosten für die weitere Nachsorge selbst tragen – hier kann eine Zahnzusatzversicherung helfen.

7. Kosten und Kassenleistungen

Was die GKV übernimmt

Die systematische Parodontitis-Behandlung wird von der gesetzlichen Krankenversicherung vollständig übernommen – vorausgesetzt, die Erkrankung wurde durch den PSI-Test nachgewiesen und ein Antrag gestellt.

  • ✓: PSI-Test alle 2 Jahre
  • ✓: Parodontalstatus und Befunderhebung
  • ✓: Antiinfektiöse Vorbehandlung (AIT)
  • ✓: Subgingivale Instrumentierung
  • ✓: Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT) für 2 Jahre
  • ✓: Chirurgische Therapie bei medizinischer Notwendigkeit

Privatleistungen und Zusatzkosten

Einige Leistungen müssen privat bezahlt werden:

Leistung Ungefähre Kosten
Professionelle Zahnreinigung (PZR) 80–150 €
Bakterientest (Markerkeimanalyse) 80–180 €
Photodynamische Therapie (PDT) 50–100 € pro Sitzung
Lasertherapie 100–300 €
UPT nach 2 Jahren 100–200 € pro Jahr

Rolle der Zahnzusatzversicherung

Eine gute Zahnzusatzversicherung kann die Eigenkosten erheblich reduzieren. Achten Sie auf Tarife, die PZR, Parodontitis-Behandlung und UPT explizit abdecken. Der Abschluss sollte möglichst vor einer Diagnose erfolgen, da viele Versicherer bereits bestehende Erkrankungen ausschließen.

8. Folgen einer unbehandelten Parodontitis

Lokale Folgen

Ohne Behandlung schreitet der Knochenabbau fort. Die Zähne werden locker, verschieben sich und fallen schließlich aus. Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen über 40 Jahren.

Systemische Auswirkungen

Die Entzündung bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Studien zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Parodontitis und:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Diabetes: Wechselseitige Verschlechterung – Parodontitis erschwert die Blutzuckerkontrolle
  • Atemwegserkrankungen: Bakterien können in die Lunge gelangen
  • Schwangerschaftskomplikationen: Erhöhtes Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht
  • Rheumatoide Arthritis: Gemeinsame Entzündungsmechanismen

„Die Mundgesundheit ist ein Spiegel der Allgemeingesundheit." – Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO)

9. Vorbeugung von Parodontitis

Parodontitis lässt sich in den meisten Fällen verhindern. Die wichtigsten Maßnahmen:

Tägliche Mundhygiene

  • Zweimal täglich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta (mindestens 2 Minuten)
  • Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten
  • Regelmäßiger Wechsel der Zahnbürste alle 3 Monate

Professionelle Vorsorge

  • Halbjährliche Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt
  • Regelmäßige professionelle Zahnreinigung (1–2× jährlich)
  • PSI-Test alle 2 Jahre nutzen (Kassenleistung)

Risikofaktoren minimieren

  • Rauchstopp – das effektivste Mittel zur Risikoreduktion
  • Gute Blutzuckerkontrolle bei Diabetes
  • Stressmanagement
  • Ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker

10. Fazit

Parodontitis ist eine ernste, aber behandelbare Erkrankung. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Früherkennung ist entscheidend – nutzen Sie den PSI-Test alle 2 Jahre
  • Die GKV übernimmt die systematische Therapie und 2 Jahre UPT
  • Konsequente Nachsorge verhindert Rückfälle
  • Tägliche Mundhygiene ist die beste Prävention
  • Rauchstopp reduziert das Risiko erheblich

Eine Zahnzusatzversicherung kann helfen, Eigenkosten für PZR, adjuvante Therapien und langfristige Nachsorge zu decken. Achten Sie auf einen frühzeitigen Abschluss, bevor eine Parodontitis diagnostiziert wird.

Zögern Sie nicht, bei ersten Anzeichen wie Zahnfleischbluten oder Mundgeruch einen Zahnarzt aufzusuchen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

11. Häufig gestellte Fragen

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die nicht vollständig geheilt, aber sehr gut kontrolliert werden kann. Mit der richtigen Behandlung und konsequenter Nachsorge lässt sich das Fortschreiten stoppen und die Mundgesundheit langfristig erhalten. Verlorener Knochen regeneriert sich in der Regel nicht von selbst, aber weitere Schäden können verhindert werden.

Die aktive Behandlungsphase erstreckt sich über mehrere Wochen bis Monate, abhängig vom Schweregrad. Nach der Vorbehandlung (AIT) folgt die subgingivale Instrumentierung in 2–4 Sitzungen. Die anschließende Nachsorge (UPT) dauert mindestens 2 Jahre – bei chronischen Verläufen lebenslang.

Ja, die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die systematische Parodontitis-Therapie vollständig, einschließlich 2 Jahre UPT. Voraussetzung ist ein positiver PSI-Befund und die Genehmigung durch die Krankenkasse. Nicht übernommen werden: Professionelle Zahnreinigung (PZR), Bakterientests, Laser- oder photodynamische Therapie sowie UPT nach Ablauf der 2 Jahre.

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