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Gingivitis vs. Parodontitis: Unterschiede und warum das wichtig ist Zahnfleischbluten ernst nehmen

Gingivitis ist heilbar, Parodontitis nicht: Frühzeitige Diagnose entscheidet über Heilung oder dauerhaften Schaden

Das Wichtigste in Kürze

  • check Gingivitis ist eine oberflächliche Zahnfleischentzündung, die durch gute Mundhygiene vollständig heilbar ist.
  • check Unbehandelte Gingivitis kann zu Parodontitis fortschreiten, die Knochen und Zahnhalteapparat dauerhaft schädigt.
  • check Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen und erhöht das Risiko für Herzerkrankungen.
  • check Die PSI-Untersuchung alle zwei Jahre wird von der GKV übernommen und ermöglicht Früherkennung.
  • check Professionelle Zahnreinigung ein- bis zweimal jährlich ist die beste Vorbeugung gegen beide Erkrankungen.
Gingivitis vs. Parodontitis: Unterschiede und warum das wichtig ist
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Inhaltsverzeichnis

1. Zahnfleischbluten: Wann es harmlos ist und wann nicht

Blutendes Zahnfleisch? Das könnte ein Warnsignal sein. Gingivitis und Parodontitis sind die häufigsten Zahnfleischerkrankungen – doch sie unterscheiden sich stark in Verlauf und Folgen:

  • Gingivitis ist eine Zahnfleischentzündung, die durch Plaque entsteht. Sie ist heilbar, wenn rechtzeitig behandelt.
  • Parodontitis kann sich aus unbehandelter Gingivitis entwickeln. Sie greift den Zahnhalteapparat an, führt zu Knochenabbau und ist nicht rückgängig zu machen.

Warum das wichtig ist: Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen und steht in Zusammenhang mit Erkrankungen wie Diabetes und Herzproblemen. Beide Krankheiten verlaufen oft schmerzfrei, was die Früherkennung erschwert. Regelmäßige Zahnarztbesuche und gute Mundhygiene sind entscheidend, um Schäden zu vermeiden.

Fazit: Frühzeitige Pflege und Vorsorge können den Unterschied zwischen reversibler Entzündung und dauerhaften Schäden ausmachen. Achten Sie auf Warnsignale wie Zahnfleischbluten und vereinbaren Sie regelmäßige Kontrolltermine.

2. Was ist Gingivitis?

Gingivitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnfleisches, die durch bakterielle Plaque verursacht wird – einen dünnen Film aus Bakterien, der sich an der Grenze zwischen Zahn und Zahnfleisch bildet. Im Gegensatz zur Parodontitis, bei der auch Knochen und Bindegewebe betroffen sind, ist Gingivitis durch professionelle Zahnreinigung und verbesserte Mundhygiene vollständig rückgängig zu machen. Doch wie erkennt man Gingivitis und was unterscheidet sie von anderen Zahnfleischerkrankungen?

Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa, fest und schmiegt sich eng an die Zähne an. Es blutet weder beim Zähneputzen noch bei der Verwendung von Zahnseide. Bei Gingivitis hingegen verfärbt sich das Zahnfleisch dunkelrot oder violett, schwillt an und wird empfindlich. Häufig kommt es zu Blutungen beim Zähneputzen, bei der Nutzung von Zahnseide oder sogar beim Kauen fester Lebensmittel.

In Deutschland leiden etwa 80 % der Erwachsenen an einer milden Form von Zahnfleischerkrankungen wie Gingivitis. Besonders heimtückisch: Die Erkrankung verläuft oft schmerzfrei und bleibt deshalb lange unbemerkt. Erste Symptome können bereits 10 bis 21 Tage nach der Plaquebildung auftreten.

Was verursacht Gingivitis?

Die Hauptursache für Gingivitis ist bakterielle Plaque. Dieser Biofilm bildet sich kontinuierlich auf den Zähnen und enthält Bakterien, die Nahrungszucker verarbeiten. Dabei entstehen reizende Toxine und Säuren, die das Zahnfleisch angreifen und eine Entzündungsreaktion auslösen. Wird die Plaque nicht regelmäßig entfernt, verhärtet sie sich innerhalb von 72 Stunden zu Zahnstein (Calculus), der sich am Zahnfleischrand festsetzt und weitere Bakterien anzieht.

Zusätzlich gibt es Risikofaktoren, die die Entstehung von Gingivitis begünstigen:

  • Rauchen: Raucher haben ein siebenfach höheres Risiko für Zahnfleischerkrankungen.
  • Genetische Veranlagung: Bis zu 30 % der Menschen sind erblich bedingt anfälliger, selbst bei guter Mundhygiene.
  • Hormonelle Schwankungen: Schwangerschaft, Pubertät oder hormonelle Veränderungen können die Anfälligkeit erhöhen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes und Stress sind ebenfalls Risikofaktoren.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva oder Blutdrucksenker können die Erkrankung fördern.

Bei Rauchern ist die Diagnose oft erschwert, da die verminderte Durchblutung des Zahnfleisches typische Symptome wie Rötung und Blutung verschleiern kann.

Typische Symptome von Gingivitis

Das auffälligste Anzeichen ist Zahnfleischbluten – sei es beim Putzen, bei der Verwendung von Zahnseide oder spontan. Viele ignorieren dieses Symptom, da es meist schmerzfrei auftritt. Weitere Hinweise sind geschwollenes, empfindliches Zahnfleisch, das sich vom Zahn löst, sowie Mundgeruch (Halitosis).

Ein weiteres Warnsignal ist ein „pelziges Gefühl" auf den Zähnen, das auf Plaqueablagerungen hindeutet. Normalerweise ist der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch (Sulcus) 1 bis 3 mm tief. Bei einer Gingivitis schwillt dieser Bereich an, und es können sogenannte „Pseudotaschen" entstehen. Diese Symptome ermöglichen eine frühzeitige Erkennung, bevor die Entzündung fortschreitet.

Behandlung und Vorbeugung von Gingivitis

Gingivitis lässt sich durch konsequente Mundhygiene behandeln. Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich gründlich und verwenden Sie Zahnseide oder Interdentalbürsten, um Plaque zu entfernen, bevor sie sich verhärtet.

Zahnstein, der sich bereits gebildet hat, kann nur durch eine professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt entfernt werden. Experten empfehlen ein bis zwei PZR-Termine pro Jahr. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung einmal jährlich die Kosten für eine Zahnsteinentfernung sowie alle zwei Jahre eine PSI-Untersuchung (Parodontaler Screening Index).

Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen:

  • Rauchstopp: Rauchen beeinträchtigt die Immunabwehr und die Durchblutung des Zahnfleisches.
  • Ernährung: Eine Reduzierung von zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln verringert das Risiko einer Zahnfleischentzündung.

Mit diesen Schritten können Sie Ihr Zahnfleisch gesund halten und einer Gingivitis effektiv vorbeugen.

3. Was ist Parodontitis?

Parodontitis kann sich aus einer unbehandelten Gingivitis entwickeln und hat schwerwiegende Konsequenzen. Es handelt sich um eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, die Zahnfleisch, Bindegewebe und Kieferknochen angreift. Einmal zerstörtes Knochengewebe regeneriert sich in der Regel nicht. In Deutschland ist Parodontitis die häufigste Ursache für Zahnverlust bei Erwachsenen und betrifft etwa 12 % der Bevölkerung. Bei Senioren (65+) steigt der Anteil auf bis zu 66 %, während bei über 75-Jährigen sogar rund 90 % betroffen sind.

Die Charité Berlin beschreibt die Erkrankung wie folgt:

„Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparats, zu dem Knochen, Zahnfleisch und Bänder gehören, die den Zahn umgeben. Parodontitis wird durch eine Dysbiose der Bakterien ausgelöst, die wir natürlicherweise in unserem Mund haben."

Das Tückische an Parodontitis: Sie verläuft oft schmerzfrei und wird daher häufig erst spät erkannt.

Wie entsteht Parodontitis aus Gingivitis?

Gingivitis ist der Ausgangspunkt. Während sich die Entzündung bei einer Gingivitis auf das Zahnfleisch beschränkt, dringen die Bakterien bei einer Parodontitis unter den Zahnfleischrand und greifen tiefere Gewebeschichten an. Es bilden sich sogenannte Zahnfleischtaschen, in denen sich Plaque und Zahnstein ansammeln – Bereiche, die mit der Zahnbürste nicht mehr erreicht werden können.

Die von Bakterien produzierten Toxine und Enzyme (wie aMMP-8) zerstören das Kollagen im Bindegewebe und im Kieferknochen. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, wodurch die Zähne „länger" erscheinen. Taschen mit einer Tiefe von 4 mm oder mehr sind ein klares Warnsignal und erfordern professionelle Behandlung. Ohne Therapie schreitet die Infektion fort, zerstört den Kieferknochen und führt dazu, dass Zähne locker werden oder ausfallen.

Besonders gefährdet sind Raucher, da Tabakkonsum die Regeneration des Gewebes hemmt. Dadurch lockern sich die Zähne schneller. Die fortschreitende Zerstörung des Gewebes zeigt sich in folgenden Symptomen.

Symptome von Parodontitis

Parodontitis äußert sich durch auffällige Symptome, die jedoch oft unterschätzt werden. Dazu gehören:

  • Zurückgehendes Zahnfleisch, das Zahnhälse freilegt
  • Tiefe Zahnfleischtaschen
  • Lockere oder verschobene Zähne
  • Chronischer Mundgeruch (Halitosis), der trotz guter Mundhygiene bleibt

In fortgeschrittenen Stadien können Eiterbildung in den Taschen und Schmerzen beim Kauen auftreten. Ein wichtiges Diagnosekriterium sind die Taschentiefen: Gesundes Zahnfleisch hat eine Tiefe von 1 bis 3 mm, während bei Parodontitis Tiefen von 4 mm bis über 10 mm gemessen werden. Diese Taschen sind auf Röntgenbildern als Knochenverlust erkennbar. Viele Betroffene bemerken die Erkrankung erst, wenn Zähne sich verschieben oder wackeln – ein Hinweis auf erheblichen Knochenschwund. Rechtzeitige Behandlung ist entscheidend, um Zahnverlust zu vermeiden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Parodontitis

Obwohl Parodontitis nicht rückgängig gemacht werden kann, lässt sie sich durch professionelle Maßnahmen aufhalten und kontrollieren. Die Therapie beginnt mit einer Mundhygieneschulung und einer professionellen Zahnreinigung (PZR). Danach folgt die systematische Parodontitistherapie, bei der durch Scaling und Wurzelglättung (Deep Cleaning) bakterielle Beläge unterhalb des Zahnfleischrands entfernt werden.

Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland übernimmt die Kosten für diese Behandlung, sofern sie medizinisch notwendig ist und vorab genehmigt wurde. Bei sehr tiefen Taschen kann ein chirurgischer Eingriff (offene Kürettage) erforderlich sein, um die Wurzeloberflächen gründlich zu säubern. In schweren Fällen werden Antibiotika eingesetzt.

Der langfristige Erfolg hängt von der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) ab. Regelmäßige Kontrolltermine alle 3 bis 6 Monate sind notwendig, um Taschentiefen zu überwachen und Rückfälle zu vermeiden. Ohne diese Nachsorge besteht ein hohes Risiko für erneute Infektionen.

4. Gingivitis vs. Parodontitis: Symptomvergleich

Beide Erkrankungen beginnen mit einer Zahnfleischentzündung, unterscheiden sich jedoch im Verlauf und in ihren Symptomen. Bei der Gingivitis bleibt die Entzündung auf das Zahnfleisch beschränkt. Typische Anzeichen sind Rötungen, Schwellungen und Zahnfleischbluten beim Zähneputzen – oft ohne Schmerzen. Parodontitis hingegen greift das Stützgewebe der Zähne an: Das Zahnfleisch zieht sich zurück, wodurch die Zähne länger erscheinen, und es entstehen tiefe Zahnfleischtaschen, die Bakterien einen idealen Nährboden bieten.

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist die Tiefe der Zahnfleischtaschen. Während Gingivitis flache Taschen von weniger als 3,5 mm aufweist, deuten Taschen ab 4 mm auf Parodontitis hin, die eine professionelle Behandlung erforderlich macht.

Bei Rauchern können typische Warnsignale wie Zahnfleischbluten fehlen, da Nikotin die Durchblutung verringert. Dennoch kann bereits ein Knochenabbau stattfinden. Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt sind daher besonders wichtig.

Symptomvergleichstabelle

Symptom Gingivitis Parodontitis
Zahnfleischfarbe Rot, geschwollen, manchmal glänzend Zurückgezogen; oft dunkelrot bis violett (bei Rauchern blass)
Blutungen Häufig beim Zähneputzen oder mit Zahnseide Häufig, teils spontan
Schmerzen Meist schmerzfrei Schmerzen beim Kauen, erhöhte Empfindlichkeit
Taschentiefe Weniger als 3,5 mm Ab etwa 4 mm, oft deutlich vertieft
Zahnstabilität Zähne sind fest verankert Zähne können locker werden oder sich verschieben
Mundgeruch Keine spezifischen Auffälligkeiten Anhaltender Mundgeruch (Halitosis)
Knochenstruktur Kein Knochenverlust Fortschreitender Knochenabbau
Eiterbildung Selten Kann in fortgeschrittenen Fällen auftreten
Reversibilität Vollständig rückgängig zu machen Knochenverlust ist irreversibel, Progression kann gestoppt werden

Während Gingivitis vollständig heilbar ist, erfordert Parodontitis eine frühzeitige Behandlung, um weiteren Knochenverlust zu verhindern. Im nächsten Abschnitt werden die Unterschiede in Ursachen, Verlauf und Therapie näher beleuchtet.

5. Unterschiede in Ursachen, Verlauf und Behandlung

Die Unterschiede zwischen Gingivitis und Parodontitis zeigen sich nicht nur in ihren Ursachen, sondern auch in der Art der Behandlung und den langfristigen Folgen.

Ursachen: Gingivitis vs. Parodontitis

Bei einer Gingivitis bleibt der Zahnhalteapparat intakt, da die Entzündung lediglich das Zahnfleisch betrifft. Parodontitis hingegen entwickelt sich, wenn die Gingivitis unbehandelt bleibt. Die Entzündung breitet sich aus, und das Immunsystem reagiert auf den gestörten Biofilm. Dabei schädigen nicht nur Bakteriengifte, sondern auch körpereigene Enzyme das Bindegewebe und den Kieferknochen. Die Bakterien dringen in die Zahnfleischtaschen ein und verursachen dauerhafte Schäden.

„Grundsätzlich gilt: Ohne Bakterien keine Parodontitis." – KZBV (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung)

Ein kritischer Punkt: Innerhalb von 72 Stunden kann Plaque zu Zahnstein verhärten, der nur noch professionell entfernt werden kann. Bei Rauchern wird die Diagnose erschwert, da Nikotin die Durchblutung hemmt und Warnsignale wie Zahnfleischbluten unterdrückt.

Diese Unterschiede in der Entstehung erklären, warum die Heilungsmöglichkeiten und Langzeitfolgen so unterschiedlich sind.

Reversibilität und Langzeitrisiken

Der größte Unterschied liegt in der Heilbarkeit. Gingivitis ist durch sorgfältige Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung vollständig rückgängig zu machen. Sobald Plaque und Zahnstein entfernt sind, regeneriert sich das Zahnfleisch.

Parodontitis hingegen verursacht dauerhafte Schäden am Zahnhalteapparat. Der abgetragene Knochen kann nicht wieder aufgebaut werden. Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. In Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen von schweren Formen der Parodontitis betroffen. Ohne Behandlung drohen nicht nur Zahnverlust, sondern auch gesundheitliche Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle oder Komplikationen bei Diabetes.

„Je früher Parodontitis erkannt wird, desto leichter lässt sie sich unter Kontrolle halten." – InformedHealth.org

Da Parodontitis oft schmerzfrei verläuft, wird sie auch als „stille Krankheit" bezeichnet. Viele bemerken sie erst, wenn die Zähne locker werden. Deshalb ist der Behandlungsansatz deutlich aufwendiger als bei einer Gingivitis und reicht von häuslicher Pflege bis hin zu umfassenden zahnärztlichen Eingriffen.

Häusliche Pflege vs. professionelle Behandlung

Bei Gingivitis genügen in der Regel Maßnahmen zu Hause: Mindestens zweimal täglich Zähneputzen für drei Minuten und die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten. Zusätzlich sollte einmal jährlich eine professionelle Zahnsteinentfernung erfolgen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.

Die Behandlung von Parodontitis erfordert jedoch zahnärztliche Interventionen. Dazu gehören Scaling und Wurzelglättung, bei denen bakterielle Ablagerungen unter dem Zahnfleisch entfernt und die Wurzeloberflächen geglättet werden. In schwereren Fällen sind chirurgische Eingriffe oder ein Knochenaufbau notwendig. Um Rückfälle zu vermeiden, wird eine unterstützende Parodontaltherapie (UPT) alle drei bis sechs Monate empfohlen.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für eine systematische Parodontitis-Behandlung, sofern sie medizinisch notwendig ist. Allerdings müssen Patienten die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung (PZR), die oft vor der Behandlung empfohlen wird, meist selbst tragen. Nach der Behandlung sollten Zahnbürsten und Interdentalbürsten ausgetauscht werden, um eine erneute Bakterienansiedlung zu verhindern.

Etwa 90 % der über 75-Jährigen in Deutschland sind von Parodontitis betroffen. Das zeigt, wie entscheidend frühzeitige Prävention und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind.

6. Warum Früherkennung und professionelle Betreuung entscheidend sind

Der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis ist nicht nur eine theoretische Frage – er entscheidet, ob Ihre Zähne langfristig gesund bleiben oder dauerhaft geschädigt werden. Gingivitis, wie bereits erwähnt, ist zwar weit verbreitet, aber vollständig heilbar. Parodontitis hingegen, wenn sie unbehandelt bleibt, verursacht irreversible Schäden. Deshalb ist es entscheidend, frühzeitig zu handeln, um bleibende Folgen zu vermeiden.

Wie Sie verhindern, dass Gingivitis zu Parodontitis wird

Der entscheidende Faktor ist das Zeitfenster. Solange die Entzündung auf das Zahnfleisch beschränkt ist, kann sie durch gründliche Mundhygiene und regelmäßige professionelle Zahnreinigung vollständig geheilt werden. Sobald jedoch Bakterien in den Zahnhalteapparat eindringen, wird der Schaden dauerhaft. Das Tückische: Parodontitis verursacht oft keine Schmerzen, weshalb sie häufig erst bemerkt wird, wenn die Zähne bereits locker werden. Präventive Maßnahmen und professionelle Betreuung sind daher essenziell, um eine Verschlechterung zu verhindern.

Die Parodontalscreening-Untersuchung (PSI), die alle zwei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, ist ein wichtiges Instrument, um Zahnfleischtaschen und Knochenabbau frühzeitig zu erkennen, bevor Symptome sichtbar werden. Besonders Raucher sollten diese Untersuchung ernst nehmen, da Nikotin die Durchblutung hemmt und Warnsignale wie Zahnfleischbluten unterdrückt. Dadurch wird die Krankheit oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Neben der häuslichen Pflege spielen regelmäßige professionelle Maßnahmen eine entscheidende Rolle.

Warum professionelle Zahnreinigung (PZR) so wichtig ist

Zu Hause können Sie weichen Zahnbelag entfernen, aber verhärteter Zahnstein lässt sich nur mit professionellen Instrumenten beseitigen. Nach der Reinigung werden die Zahnoberflächen poliert, wodurch sie geglättet werden und sich Bakterien weniger leicht ansiedeln können.

Die Kosten für eine PZR belaufen sich auf 100 € bis 200 € und müssen in der Regel selbst getragen werden. Allerdings bieten einige gesetzliche Krankenkassen mittlerweile freiwillige Zuschüsse oder Bonusprogramme an. Für Menschen mit gesundem Zahnfleisch wird eine PZR ein- bis zweimal jährlich empfohlen, während Parodontitis-Patienten alle drei bis sechs Monate eine Reinigung im Rahmen der unterstützenden Parodontaltherapie benötigen.

Langfristige Folgen unbehandelter Zahnfleischerkrankungen

Die Auswirkungen von Parodontitis beschränken sich nicht nur auf die Zähne. Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle und kann Diabetes-Komplikationen verschlimmern. Bei Schwangeren steigt zudem das Risiko für Frühgeburten um das Siebenfache.

Die chronische Entzündung setzt Botenstoffe frei, die systemische Erkrankungen begünstigen. Rund 60 % der Menschen über 65 Jahre leiden an Parodontitis – ein alarmierendes Zeichen dafür, wie wichtig frühzeitige Prävention ist. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig behandelt, drohen nicht nur Zahnverlust und Knochenabbau, sondern auch hohe Kosten für aufwendige chirurgische Eingriffe, Knochenaufbau oder Zahnersatz.

7. Fazit: Was Sie über Gingivitis und Parodontitis wissen müssen

Der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis spielt eine zentrale Rolle für die Zahngesundheit. Gingivitis lässt sich vollständig rückgängig machen – mit professioneller Zahnreinigung und verbesserter Mundhygiene heilt die Entzündung vollständig ab. Parodontitis hingegen führt zu bleibenden Schäden am Zahnhalteapparat und Kieferknochen, die nur stabilisiert, aber nicht mehr repariert werden können.

Diese Unterscheidung beeinflusst direkt die Pflege der Zähne. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind unverzichtbar, da die Erkrankungen im Frühstadium oft schmerzfrei verlaufen. Besonders wichtig ist die alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenkasse übernommene PSI-Untersuchung, um Zahnfleischtaschen frühzeitig zu erkennen. Symptome wie Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder Zahnfleischrückgang sollten ernst genommen werden.

Eine gründliche Mundhygiene ist der Schlüssel: Putzen Sie Ihre Zähne zweimal täglich mindestens zwei Minuten lang, reinigen Sie Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten – diese machen 40 % der gesamten Zahnoberfläche aus. Ergänzen Sie dies durch halbjährliche Zahnarztbesuche und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen.

„Während Gingivitis und Parodontitis für Patienten kaum zu unterscheiden sind, liegen aus zahnärztlicher Sicht Welten zwischen diesen beiden Krankheitsbildern." – Praxiszentrum für Zahnmedizin und Prophylaxe

Die frühzeitige Diagnose und eine konsequente Pflege, sowohl zu Hause als auch professionell, können den Unterschied zwischen reversiblen und bleibenden Schäden ausmachen. Übrigens: In Deutschland leiden etwa 30 Millionen Menschen an mittelschwerer bis schwerer Parodontitis. Mit der richtigen Prävention sichern Sie sich eine langfristige Zahngesundheit und vermeiden unnötige Risiken.

8. Häufig gestellte Fragen

Eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) äußert sich durch Symptome wie gerötetes, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch, insbesondere beim Zähneputzen oder der Nutzung von Zahnseide. Diese Form der Entzündung ist in der Regel mild und lässt sich durch konsequente Mundhygiene gut in den Griff bekommen.

Bleibt die Entzündung jedoch unbehandelt, kann sie in eine Parodontitis übergehen. Anzeichen hierfür sind unter anderem Zahnfleischrückgang, lockere Zähne, anhaltender Mundgeruch und tiefere Zahnfleischtaschen (über 4 mm). Solche Taschen können bei einer zahnärztlichen Untersuchung gemessen werden. Bei Verdacht auf Parodontitis ist es wichtig, einen Zahnarzt aufzusuchen, um eine präzise Diagnose und die richtige Behandlung zu erhalten.

Parodontitis, wenn sie unbehandelt bleibt, kann weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Neben dem klaren Risiko von Zahnverlust stehen auch ernsthafte Verbindungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Frühgeburten und sogar Demenz im Raum.

Der Grund dafür liegt in der systemischen Wirkung der Entzündung: Bakterien und entzündliche Stoffe aus dem Mundraum können über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangen. Das kann wiederum andere Gesundheitsprobleme begünstigen. Deshalb ist eine frühzeitige Behandlung nicht nur für die Zahngesundheit, sondern auch für das allgemeine Wohlbefinden entscheidend.

Um das Risiko für Parodontitis gering zu halten, empfiehlt es sich, mindestens zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung einzuplanen. Dabei werden hartnäckige Beläge und Bakterien entfernt, die Zahnfleischentzündungen begünstigen können.

Falls ein erhöhtes Parodontitis-Risiko oder bestimmte Vorerkrankungen vorliegen, kann es ratsam sein, die Reinigung öfter durchzuführen. Ihr Zahnarzt kann Sie hierzu beraten und das passende Intervall für Ihre individuellen Bedürfnisse festlegen.

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