6. Nachteile und Risiken von Sofortimplantaten
Trotz ihrer Vorteile bringen Sofortimplantate auch einige spezifische Risiken mit sich, die sorgfältig abgewogen werden sollten.
Höhere Misserfolgsrate in schwierigen Fällen
Eine ausreichende Stabilität von mindestens 30 Ncm ist entscheidend. Wird diese nicht erreicht, kann es zu einer problematischen Einheilphase kommen. Besonders im Oberkiefer ist das Risiko erhöht, da der Knochen dort weniger dicht ist als im Unterkiefer. Die meisten Implantatverluste treten in den ersten drei Monaten auf, also während der kritischen Einheilzeit. Faktoren wie übermäßige Belastung – etwa durch Zähneknirschen (Bruxismus) oder ein schlecht angepasstes Provisorium – können zu einer Lockerung oder gar einem Bruch des Implantats führen.
Ein weiteres Problem ist die Resorption des dünnen Gesichtsknochens. Die äußere Knochenwand der Zahnlücke ist oft weniger als 1 mm dick und baut sich nach einer Zahnentfernung natürlicherweise ab. Ein Sofortimplantat verhindert diesen Abbau nicht automatisch. Bei einer dünnen Knochenwand (<1 mm) besteht das Risiko, dass das Zahnfleisch um 1 mm oder mehr zurückgeht – dies tritt in etwa 20–30 % der Fälle auf. Diese Herausforderungen verdeutlichen, wie wichtig die zuvor genannten Voraussetzungen sind.
Nicht für alle Situationen geeignet
Sofortimplantate können nur unter optimalen Bedingungen eingesetzt werden. Bei akuten Entzündungen oder Infektionen an der Extraktionsstelle, beispielsweise durch eine Wurzelentzündung oder fortgeschrittene Karies, muss die Infektion erst vollständig ausheilen, bevor ein Implantat möglich ist.
Auch bestimmte Vorerkrankungen schließen die Methode aus. Unkontrollierter Diabetes verzögert die Wundheilung und erhöht das Risiko für Infektionen erheblich. Osteoporose führt zu einer geringeren Knochendichte, was den Halt des Implantats beeinträchtigt. Starkes Rauchen verdoppelt die Misserfolgsrate, da es die Durchblutung des Zahnfleisches verschlechtert und das Immunsystem schwächt – ideale Voraussetzungen für Komplikationen wie Periimplantitis.
Erfordert erfahrenen Chirurgen
„Der Kliniker und sein Team müssen chirurgisch erfahren und gut in Implantatverfahren geschult sein." – Jan H. Koch, Zahnmedizinischer Autor
Der Erfolg eines Sofortimplantats hängt stark von der Erfahrung und Präzision des Chirurgen ab. Im Gegensatz zu verzögerten Implantaten, bei denen die Heilung mehr Zeit hat, ist die Primärstabilität bei Sofortimplantaten fast ausschließlich von der technischen Fertigkeit des Chirurgen abhängig. Eine falsche Positionierung, beispielsweise zu nah an der Wange, kann ästhetische Probleme wie sichtbare Metallränder oder Zahnfleischrückgang verursachen.
Ein erfahrener Chirurg muss nicht nur die korrekte Positionierung sicherstellen, sondern auch in der Lage sein, Knochen- und Weichgewebeaufbau zu meistern. Ohne diese Expertise steigt das Risiko für Komplikationen erheblich. Moderne Hilfsmittel wie die 3D-Diagnostik mittels Cone-Beam-CT und digitale Behandlungsplanung sind unerlässlich, um die Implantatposition millimetergenau festzulegen. Ohne diese Technologien und das entsprechende Know-how können schwerwiegende Probleme auftreten – von Nervverletzungen bis hin zu langfristigem Knochenverlust. Diese Anforderungen verdeutlichen, wie entscheidend die chirurgische Erfahrung für den Erfolg ist.