2. Wann ist ein Knochenaufbau für Zahnimplantate notwendig?
Ein Knochenaufbau ist dann erforderlich, wenn der Kieferknochen nicht ausreichend Höhe, Breite oder Dichte aufweist, um ein Zahnimplantat stabil und sicher zu verankern. Ohne eine solide Knochenbasis ist die sogenannte Osseointegration – also das Einwachsen des Implantats in den Knochen – gefährdet, was das Risiko eines Implantatverlusts erheblich erhöht.
Die Hauptursachen für einen Mangel an Knochensubstanz sind längerer Zahnverlust, chronische Parodontitis, anatomische Besonderheiten wie die Nähe zur Kieferhöhle im Oberkiefer sowie Verletzungen oder Traumata. Diese Faktoren können dazu führen, dass der Kieferknochen sich zurückbildet oder seine natürliche Struktur verliert.
Im Folgenden wird näher erläutert, welche Faktoren den Knochenverlust begünstigen, wie Zahnärzte die Knochenqualität bewerten und welche klinischen Anzeichen auf einen Mangel hinweisen.
Häufige Ursachen für Knochenverlust
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Die drei häufigsten Ursachen
Zahnverlust (Atrophie)
Ohne Belastung durch den Zahn baut sich der Knochen ab – besonders schnell in den ersten Monaten nach dem Verlust.
Parodontitis
Die chronische Entzündung greift den Alveolarknochen direkt an und zerstört die Knochenstruktur oft unbemerkt.
Nähe zur Kieferhöhle
Im hinteren Oberkiefer verbleiben häufig nur wenige Millimeter Knochen zwischen Kieferhöhle und Mundraum.
Ein Zahnverlust führt dazu, dass der betroffene Bereich des Kieferknochens nicht mehr ausreichend belastet wird. Ohne diese mechanische Stimulation baut sich der Knochen allmählich ab – ein Prozess, der als Atrophie bezeichnet wird. Besonders in den ersten Monaten nach dem Verlust eines Zahns schreitet dieser Abbau schnell voran und betrifft sowohl die Höhe als auch die Breite des Kieferknochens.
Parodontitis, eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, ist eine weitere häufige Ursache. Die Entzündung greift den Alveolarknochen – also den Teil des Kieferknochens, der die Zähne trägt – direkt an. Dies führt zu einer Zerstörung der Knochenstruktur, die oft erst bemerkt wird, wenn Zähne locker werden oder verloren gehen.
Im Oberkiefer stellt die Nähe zur Kieferhöhle (Sinus maxillaris) eine besondere Herausforderung dar. Vor allem im hinteren Bereich verbleiben häufig nur wenige Millimeter Knochen zwischen dem Boden der Kieferhöhle und dem Mundraum. Um die notwendige Knochenhöhe für ein Implantat zu schaffen, ist in solchen Fällen ein Sinuslift erforderlich.
Wie Zahnärzte die Knochenqualität beurteilen
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Die Digitale Volumentomographie (DVT) – auch Cone-Beam-CT (CBCT) genannt – ist ein modernes 3D-Röntgenverfahren speziell für den Kopfbereich. Im Gegensatz zu herkömmlichen 2D-Röntgenaufnahmen liefert sie dreidimensionale Bilder des Kieferknochens.
Damit lassen sich Knochenhöhe, -breite und -dichte präzise messen sowie wichtige Strukturen wie Nervenverläufe und die Kieferhöhle darstellen. So kann der Zahnarzt exakt beurteilen, ob ein Knochenaufbau notwendig ist oder ob kürzere Implantate eine Alternative sind.
Die moderne Zahnmedizin setzt auf dreidimensionale Bildgebung, um die Knochenstruktur präzise zu bewerten. Diese Technologien liefern exakte Informationen über die Knochenhöhe, -breite und -dichte und ermöglichen zudem die Darstellung wichtiger anatomischer Strukturen wie Nervenverläufe oder die Kieferhöhle.
Im Vergleich dazu sind herkömmliche zweidimensionale Röntgenaufnahmen oft unzureichend, da sie die tatsächliche Knochenbreite nicht darstellen können. Erst durch eine 3D-Aufnahme lässt sich sicher beurteilen, ob ein Knochenaufbau erforderlich ist oder ob eventuell kürzere Implantate (4–6 mm) als Alternative infrage kommen.
Neben der Bildgebung fließen auch andere Faktoren in die Beurteilung ein, wie die Dauer des Zahnverlusts, die medizinische Vorgeschichte des Patienten und Risikofaktoren wie Rauchen oder unkontrollierter Diabetes, die die Knochenqualität und Heilung negativ beeinflussen können. Interessanterweise betrachten etwa 83,46 % der Chirurgen den Raucherstatus als einen entscheidenden Faktor für den Erfolg eines Knochenaufbaus.
Dank dieser präzisen Diagnosetechniken können Zahnärzte klinische Schwächen im Knochen bereits frühzeitig erkennen.
Anzeichen für unzureichenden Knochen
Ein Mangel an Knochensubstanz lässt sich oft schon bei der Untersuchung feststellen. Typische Anzeichen sind sichtbar zurückgebildete Kieferkämme, die schmaler oder flacher erscheinen, als sie es normalerweise wären. Auch lockere Zähne, die häufig bei fortgeschrittener Parodontitis auftreten, können auf einen erheblichen Knochenverlust hinweisen.
Patienten, die über viele Jahre hinweg zahnlos waren, zeigen in der Regel eine deutliche Atrophie des Kieferknochens. Dies wird von Zahnärzten als klares Indiz für einen signifikanten Verlust an Knochensubstanz gewertet.